Interview mit Caroline Lippuner Teil II
- Anna Bergmann

- vor 9 Stunden
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7. Gibt es einen Unterschied, ob ich mit 25 oder mit 40 zu dir komme?
Ja, selbstverständlich gibt es deutliche Unterschiede – biologisch, statistisch und medizinisch. Mit 25 Jahren verfügt man in der Regel über eine grössere Eizellreserve (höherer AMH-Wert) und eine insgesamt bessere Eizellqualität. Das bedeutet, dass mehr Eizellen euploid sind, also keine genetischen Auffälligkeiten aufweisen. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, pro Zyklus schwanger zu werden, höher, während das Risiko für Fehlgeburten deutlich niedriger liegt, etwa bei 25–30 %, im Vergleich zu einer 40-jährigen Person. Doch wie so oft gilt: „Die Ausnahme bestätigt die Regel.“
Trotzdem ist mir ein Punkt sehr wichtig: Auch jüngere Frauen, die trotz regelmässigen Geschlechtsverkehrs innerhalb von sechs Monaten nicht schwanger werden, sollten frühzeitig eine Fachperson kontaktieren. Erfahrungsgemäss findet sich fast immer eine Stellschraube, an der man noch drehen kann. Oft sind es kleine Dinge, die eine grosse Wirkung haben.
8. In welchem Zeitraum kann ich mit Verbesserungen rechnen?
Nach 3 Monaten solltest du erste Besserungen spüren, jedoch nur, wenn du bereit bist in deinem Alltag Änderungen anzunehmen und die zielorientierten Massnahmen konsequent durchführst, ansonsten wird es zu keinen Verbesserungen führen.
9. Wie läuft eine Begleitung in der Praxis ab - arbeitest du dann auch mit meiner Gyn oder mit meiner KiWu-Klinik zusammen?
Wie bereits in Frage 2 beschrieben, lade ich meine Coachees zunächst zu einem kostenlosen Kennenlerngespräch ein. Dabei geht es vor allem darum zu klären, ob das Programm grundsätzlich zu ihnen passt und ob auch die persönliche Chemie stimmt. Sind beide Voraussetzungen gegeben, starten wir gemeinsam – der Ablauf entspricht dabei dem in Frage 2 erläuterten Vorgehen.
Ja, ich arbeite bereits mit ersten Kinderwunschkliniken zusammen und möchte künftig auch verstärkt gynäkologische Praxen ansprechen. Allerdings erlebe ich oft, dass diesem ganzheitlichen Ansatz noch nicht überall offen begegnet wird, da die Thematik häufig nicht im Gesamtbild betrachtet wird.
10. Was ist der deiner Meinung nach am meisten unterschätzte Faktor bei unerfülltem Kinderwunsch?
Meiner Meinung nach gibt es zahlreiche Faktoren, die im Kinderwunsch häufig unterschätzt werden. Nachfolgend findest du einige davon, jeweils mit einer kurzen Erklärung:
StressStress ist einer der meist unterschätztesten Einflussfaktoren im Kinderwunsch. Ein dauerhaft hoher Stresspegel bringt den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, belastet den Darm und versetzt den Körper insgesamt in Alarmbereitschaft, den Überlebensmodus. In diesem Zustand schenkt der Körper der Fortpflanzung kaum Beachtung. Deshalb ist es so wichtig vom Überlebensmodus wieder in den Lebensmodus zu gelangen, damit sich der Körper und das Hormonsystem harmonisieren können.
DarmgesundheitDem Darm wird im Kinderwunsch oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei gilt: Man sollte von unten nach oben denken. Eine gestörte Darmflora kann die Fruchtbarkeit deutlich beeinträchtigen, denn Darmflora und Endometriumflora stehen in enger Verbindung. Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht, kann dies zu stillen Entzündungen führen, die z. B. die Einnistung erschweren. Auch Nährstoffmängel sind häufig, weil der Darm wichtige Stoffe nicht optimal aufnehmen kann.
Mikronährstoffe
Das Thema Mikronährstoffe wird häufig unterschätzt. Viele greifen zu einem beliebigen Kombipräparat und denken, damit sei alles abgedeckt, dem ist jedoch nicht so. Wichtig ist immer zuerst ein Blutbild, um herauszufinden, welche Mängel wirklich bestehen und ob der Darm Mikronährstoffe überhaupt richtig aufnehmen kann. Besonders relevante Werte im Kinderwunsch sind unter anderem:
Folsäure: unterstützt die Zellteilung und beugt Neuralrohrdefekten vor
Eisen (Ferritin): wichtig für den Sauerstofftransport und die Einnistung
Vitamin D: zentral für Hormonregulation, Eizellqualität und Einnistung
Omega-3: wirkt entzündungshemmend, schützt Zellmembranen und unterstützt die hormonelle Balance
Dies sind nur einige Beispiele, es gibt noch viele weitere Werte, die im Kinderwunsch wichtig sind. In meinen Coachings besprechen wir gemeinsam, welche Bluttests sinnvoll sind und aus welchem Grund
ZykluswissenZykluswissen ist im Kinderwunsch essenziell. In den Coachings merke ich immer wieder, dass hier grosser Erklärungsbedarf besteht. Es ist wichtig zu wissen, wann die fruchtbaren Tage sind und wann der Eisprung tatsächlich stattfindet. Dieses Wissen erhöht nicht nur die Chance auf eine Schwangerschaft, sondern stärkt auch das Vertrauen in den eigenen Körper.
Der Mann
Fruchtbarkeit ist ein gemeinsames Thema, deshalb sollte immer auch der Mann einbezogen werden. Die Spermienqualität kann beispielsweise stark vom Lebensstil beeinflusst werden (Ernährung, Rauchen, Alkohol, Sport usw.). Zusätzlich können auch beim Mann unerkannte körperliche Ursachen vorliegen, etwa hormonelle Störungen oder Entzündungen. Eine gemeinsame Betrachtung entlastet beide Partner und erhöht die Erfolgschancen.
11. Was kann man sonst noch z.B. aus einer Haarmineralanalyse ableiten?
Ich empfinde die Haarmineralanalyse als ein wertvolles Tool, um einen zusätzlichen Blickwinkel zu gewinnen. Sie kommt besonders dann zum Einsatz, wenn trotz guter Laborergebnisse weiterhin Symptome bestehen. Die Haarmineralanalyse zeigt bspw. welche Nährstoffe tatsächlich in den Zellen ankommen und verarbeitet werden und nicht nur, was im Blut ankommt. Zudem ermöglicht sie langfristige Rückschlüsse auf mögliche Mängel oder Belastungen (Toxine etc.).
>>> Teil 1 des Interviews findest du auch im Blog.
>>> Hier gehts direkt zu Caro's Webseite für mehr Infos:




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